Sepsis und Pflege: Warum Aufmerksamkeit Leben retten kann
- SalusMAX

- vor 6 Tagen
- 7 Min. Lesezeit
August 2026
Gastbeitrag: Team Stop Sepsis e.V. | Eingeordnet für SalusMAX von Munip El Debssi (B.Sc.), Pflegeberater §7a SGB XI
Ich freue mich sehr über den Beitrag, den Team Stop Sepsis e.V. uns zur Verfügung gestellt hat, und möchte den Verein deshalb kurz vorstellen, bevor sein Text hier vollständig zu Wort kommt.
Team Stop Sepsis e.V. ist eine ehrenamtlich getragene Organisation mit Sitz am Frankencampus in Nürnberg. Gegründet wurde sie von Mariah McKimbrough und Heike Spreter-Krick, für die von Anfang an feststand: Die Stimmen von Betroffenen, Angehörigen und Hinterbliebenen dürfen in der Sepsis-Versorgung nicht länger fehlen. Genau diese Haltung, Wissen aus der Praxis so zu übersetzen, dass es wirklich ankommt und im Ernstfall handeln auslöst, teilen wir bei SalusMAX. Deshalb geben wir den folgenden Beitrag und das Factsheet des Vereins hier eins zu eins wieder.
Sepsis und Pflege: Warum Aufmerksamkeit Leben retten kann
Eine Sepsis – umgangssprachlich oft „Blutvergiftung“ genannt – ist IMMER ein medizinischer Notfall. Doch was viele nicht wissen: Für zahlreiche Betroffene beginnt die eigentliche Herausforderung erst nach dem Krankenhausaufenthalt.
Nach einer überstandenen Sepsis beginnt häufig ein langer Weg zurück in den Alltag – geprägt von körperlichen Einschränkungen, psychischen Belastungen und einem erhöhten Unterstützungsbedarf. Genau hier wird deutlich, welche zentrale Rolle Pflege, Angehörige und eine gute Nachsorge spielen.
In der täglichen Arbeit mit pflegebedürftigen Menschen sieht man bei SalusMAX immer wieder, wie entscheidend Aufmerksamkeit, Prävention und professionelle Unterstützung im Umgang mit Infektionen und Sepsisfolgen sind.
Sepsis betrifft nicht nur die Akutmedizin
Wird eine Sepsis nicht frühzeitig erkannt, kann sie lebensbedrohlich werden. Sie entsteht, wenn der Körper auf eine Infektion überschießend reagiert und dabei Organe und Gewebe schädigt. Auslöser können unter anderem:
· Wundinfektionen,
· Harnwegsinfekte,
· Lungenentzündungen,
· oder Infektionen nach Operationen sein.
Gerade ältere Menschen, pflegebedürftige Personen oder Menschen mit chronischen Erkrankungen gehören zur Risikogruppe.
Doch Sepsis ist nicht nur ein Thema für Intensivstationen oder Krankenhäuser. Auch in der ambulanten Pflege, der häuslichen Versorgung und im Alltag pflegebedürftiger Menschen spielt sie eine wichtige Rolle.
Pflege kann Sepsis vorbeugen
Pflegekräfte sind häufig die ersten, die bemerken, dass „etwas nicht stimmt“. Veränderungen wie:
· Verwirrtheit,
· plötzliche Schwäche,
· Fieber, Schüttelfrost
· schnelle Atmung,
· auffällige Wunden,
· oder ein allgemein extrem schlechter Zustand
können frühe Hinweise auf eine Infektion oder sogar eine beginnende Sepsis sein.
Gerade im Pflegealltag ist diese Aufmerksamkeit entscheidend. Denn frühes Handeln kann Leben retten.
Pflege bedeutet deshalb nicht nur Versorgung, sondern auch Prävention:
· sorgfältige Wundversorgung,
· gute Hygiene,
· Beobachtung von Veränderungen,
· Unterstützung bei chronischen Erkrankungen,
· und schnelle Reaktion bei Infektionszeichen.
Pflegekräfte übernehmen damit eine zentrale Schutzfunktion.
Wenn Sepsis überlebt wird – und trotzdem vieles anders bleibt
Viele Menschen verbinden Sepsis ausschließlich mit der akuten Lebensgefahr. Weniger bekannt ist, dass 75% der Überlebenden noch lange nach der Erkrankung unter Folgen leiden. Das sogenannte Post-Sepsis-Syndrom kann körperliche, psychische und kognitive Einschränkungen verursachen.
Mögliche Langzeitfolgen sind:
· starke Erschöpfung,
· Muskelschwäche,
· Konzentrationsprobleme,
· Gedächtnisstörungen,
· chronische Schmerzen,
· Angstzustände oder Depressionen,
· Wundheilungsstörungen,
· Mobilitätseinschränkungen,
· oder in schweren Fällen sogar Amputationen.
Für viele Betroffene wird dadurch Unterstützung im Alltag überhaupt erst notwendig.
Warum Nachsorge und Pflege so wichtig sind
Viele Betroffene berichten, dass sie sich nach der Entlassung plötzlich allein gelassen fühlen – obwohl der schwierigste Teil gerade erst beginnt. Nach einer Sepsis stehen viele Menschen plötzlich vor neuen Herausforderungen:
· Arzttermine koordinieren,
· Medikamente organisieren,
· Wunden versorgen,
· Mobilität wieder aufbauen,
· psychische Belastungen bewältigen,
· oder den Alltag neu strukturieren.
Auch Angehörige geraten dabei oft an ihre Belastungsgrenzen.
Professionelle Pflege und Alltagsunterstützung helfen nicht nur, sondern geben Betroffenen auch Sicherheit, Stabilität und Lebensqualität zurück.
Nachsorge ist deshalb kein „Zusatzangebot“, sondern für viele Sepsis-Überlebende eine wichtige Voraussetzung, um wieder am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können.
Angehörige und Pflegekräfte als wichtige Begleiter
Gerade nach schweren Erkrankungen brauchen Betroffene Menschen, die Veränderungen ernst nehmen, zuhören und unterstützen.
Pflegekräfte übernehmen dabei weit mehr als klassische Versorgung:
· sie beobachten,
· koordinieren,
· begleiten,
· beraten,
· und schaffen Vertrauen.
Auch Angehörige spielen eine zentrale Rolle – emotional, organisatorisch und im täglichen Leben. Gleichzeitig benötigen viele Familien selbst Unterstützung und Entlastung.
Wissen rettet Leben
Noch immer wird Sepsis häufig zu spät erkannt. Deshalb ist Aufklärung so wichtig – besonders im Pflegebereich.
Wenn Pflegekräfte, Angehörige und Betroffene Symptome früh erkennen und ernst nehmen, können schwere Verläufe oft verhindert werden.
Wichtige Warnzeichen können sein:
· Verwirrtheit, Desorientierung, Benommenheit.,
· Herzrasen
· Starke Schmerzen und / oder nie gekanntes Krankheitsgefühl,
· niedriger Blutdruck,
· Fieber / Untertemperatur, Frösteln / Schüttelfrost,
· Verminderte Urinausscheidung
· Feuchte, kühle, fleckige haut
· Atemnot, Kurzatmigkeit
Im Zweifel gilt immer: lieber einmal zu früh medizinische Hilfe holen als zu spät.
Gemeinsam Aufmerksamkeit schaffen
Organisationen wie TEAM STOP SEPSIS e.V. setzen sich dafür ein, die Öffentlichkeit stärker über Sepsis und ihre Folgen zu informieren. Auch Angebote wie der Sepsishelden Club unterstützen Betroffene und Angehörige beim Austausch und bei der Bewältigung der Langzeitfolgen.
Digitale Hilfsmittel wie die SAppsis-App helfen zusätzlich dabei, Symptome besser einzuordnen und Wissen über Sepsis verständlich zugänglich zu machen.
Pflege bedeutet auch Sicherheit
Für SalusMAX steht der Mensch im Mittelpunkt. Gerade im Bereich Pflege zeigt sich täglich, wie wichtig Aufmerksamkeit, Erfahrung und frühzeitiges Handeln sind.
Sepsisprävention, gute Nachsorge und ein verständnisvoller Umgang mit Betroffenen können entscheidend dazu beitragen, Lebensqualität zu erhalten und schwere Verläufe zu vermeiden.
Denn Pflege bedeutet nicht nur Unterstützung im Alltag — sondern oft auch Schutz, Sicherheit und Lebenshilfe.
Hilfreiche Links
Ansprechpartnerin
Team Stop Sepsis e.V.
Mariah McKimbrough & Heike Spreter-Krick
Das Factsheet von Team Stop Sepsis e.V.
Ergänzend zum Blogbeitrag stellt Team Stop Sepsis e.V. ein Factsheet mit Zahlen und Fakten zur Verfügung (Stand: Mai 2026). Auch dieses geben wir hier vollständig und unverändert wieder.
Sepsis – Killerin #1
Mit der Airline „Sepsis“, aka „Blutvergiftung“, sterben in Deutschland jeden Tag 380 Menschen bei einem Flugzeugabsturz. Mit dieser sich weiter verschlechternden Überlebensrate ist die Airline „Sepsis“ weltweit die unsichtbare Killerin #1. Ein Skandal!
Sepsis ist eine globale Gesundheitsbedrohung, die oft unterschätzt wird.
In Deutschland sterben täglich etwa 7.000-mal mehr Menschen an Sepsis als Deutschlandweit bei Flugzeugabstürzen.
Hinweis: Zahlen gerundet. Stand: Mai 2024.
Quellen: Sepsis-Zahlen: RKI, 2023. Flugzeugabstürze: Aviation Safety Network (ASN), 10-Jahres-Durchschnitt 2014-2024.
Vergleich pro Tag: Sepsis-Tote in Deutschland vs. Flugzeugabstürze in Deutschland
| Sepsis-Tote in Deutschland | Flugzeugabstürze in Deutschland |
Menschen sterben jeden Tag | 380 | Durchschnittlich 0,03 |
Einordnung | Sepsis ist eine lebensbedrohliche Reaktion des Körpers auf eine Infektion und eine der häufigsten Todesursachen in deutschen Kliniken. | Zahlen basieren auf dem 10-Jahres-Durchschnitt (2014-2023) der Aviation Safety Network (ASN). |
Fazit: In Deutschland sterben täglich etwa 7.000-mal mehr Menschen an Sepsis als Deutschlandweit bei Flugzeugabstürzen.
Team Stop Sepsis
Deutschland hatte sich im Rahmen einer WHO-Resolution verpflichtet, bis 2030 den Nationalen Sepsis Plan umzusetzen. 2030 steht unmittelbar bevor, die Uhr tickt - trotz guter Ansätze fehlt er bis heute.
Als ehrenamtlich getragene Organisation haben wir uns der Durch- und Umsetzung des Nationalen Sepsis Plans in Deutschland verschrieben. Wir schließen Lücken, indem wir unkonventionelle Wege gehen und fehlende ergänzen. Wir sind überzeugt, dieses Ziel nur durch die Bündelung aller Energien zu erreichen.
Als Team Stop Sepsis ersetzen wir nicht – sondern unterstützen und verbinden vorhandene Strukturen durch die enge Vernetzung starker Partner aus Medizin, Wissenschaft, Recht, Wissenstransfer, Betroffenen sowie derer Initiativen und Politik.
Als Team vom Herzensprojekt Einzelner, über lokale, nationale und internationale Aktionen und Kampagnen.
Alle unsere Modellprojekte orientieren sich an den 5 großen Säulen des Nationalen Sepsis Plans.
Gemeinsame Vision
Für Mariah McKimbrough und Heike Spreter-Krick stand von Anfang an fest: Die Stimmen von Betroffenen, Angehörigen und Hinterbliebenen dürfen nicht länger fehlen. Ihre Erfahrungen sind unverzichtbar, wenn Prävention, Versorgung und Forschung wirklich verbessert werden sollen.
„Unsere 24/7-365 Expertise ist praktisches Fachwissen, direkt aus dem Leben - kein Lehrbuch kann das vermitteln“, sagt Mariah.
„Es gibt viele starke Initiativen, aber sie bleiben oft unverbunden. Unsere Aufgabe ist es, diese wertvollen Ressourcen zu vernetzen“, ergänzt Heike.
Meilensteine und Initiativen unseres Experten-Netzwerks
Eigene Projekte & Implementierungen:
· SAppsis App
· Sepsishelden Club
· Podcast „Aftershock - still aLIVE“
· Bundestags- & change.org Petition
· Accor Gesundheitstag
· Health Edutainment
Strategisch unterstützte & begleitete Initiativen:
· Vorreiter Regionen / Jülich rüstet gegen Sepsis
· Launch 2030 Global Agenda for Sepsis WHO
· Nationale und Internationale Symposien
· Speaker national und international z.B. Wundkosmos, Paris etc.
· Co-Autorin „the Lancet“
Unser Anspruch ist, die Sprache derer zu sprechen, die wir erreichen müssen, und Inhalte so zu übersetzen, dass sie hängen bleiben und handeln auslösen.
Unsere Roadmap: Nationaler Sepsis Plan
Aufklären
Startet in der Kindheit! Sepsis ist ein Notfall. Genau wie Schlaganfall und Herzinfarkt. Sepsiswissen muss zum Allgemeinwissen gehören.
Vorbeugen
Im Großen und im Kleinen, minimiert das Risiko. Infektionsschutz. Impfen. Wundpflege.
Erkennen
Die meisten Sepsisfälle entwickeln sich außerhalb der Kliniken. Rund die Hälfte der Todesfälle ist vermeidbar! Zeichen kritischer Erkrankungen erkennen.
Behandeln
Sofortige Behandlung starten! Stationsübergreifende Betreuung. Einbezug der Angehörigen. Martha's Rule.
Nachsorgen
Startet in der Klinik. Post Sepsis Care Standard. Passende Rehamaßnahmen. Post-Sepsis-Sprechstunden.
Kontakt
Team Stop Sepsis e.V.
Frankencampus - Frankenstraße 152
90461 Nürnberg
FAQ
Wie viele Menschen sterben in Deutschland an Sepsis?
Etwa 380 Menschen sterben in Deutschland täglich an einer Sepsis (Quelle: RKI, 2023). Das sind rund 7.000-mal mehr als bei Flugzeugabstürzen im Land (durchschnittlich 0,03 pro Tag, Aviation Safety Network, 10-Jahres-Durchschnitt 2014-2024).
Was ist eine Sepsis?
Eine Sepsis ist ein medizinischer Notfall. Sie entsteht, wenn der Körper auf eine Infektion überschießend reagiert und dabei Organe und Gewebe schädigt.
Wer ist besonders gefährdet, eine Sepsis zu entwickeln?
Gerade ältere Menschen, pflegebedürftige Personen oder Menschen mit chronischen Erkrankungen gehören zur Risikogruppe.
Was ist das Post-Sepsis-Syndrom?
Das sogenannte Post-Sepsis-Syndrom kann körperliche, psychische und kognitive Einschränkungen verursachen, etwa starke Erschöpfung, Muskelschwäche, Konzentrationsprobleme, Gedächtnisstörungen, chronische Schmerzen, Angstzustände oder Depressionen, Wundheilungsstörungen, Mobilitätseinschränkungen oder in schweren Fällen sogar Amputationen.
Wie viele Sepsis-Todesfälle wären laut Team Stop Sepsis vermeidbar?
Nach Einschätzung von Team Stop Sepsis ist rund die Hälfte der Todesfälle vermeidbar, wenn Zeichen kritischer Erkrankungen rechtzeitig erkannt werden.
Wie kann Pflege einer Sepsis vorbeugen?
Durch sorgfältige Wundversorgung, gute Hygiene, Beobachtung von Veränderungen, Unterstützung bei chronischen Erkrankungen und schnelle Reaktion bei Infektionszeichen.
An wen können sich Betroffene und Angehörige wenden?
Anlaufstellen sind unter anderem Team Stop Sepsis e.V., der Sepsishelden Club, die SAppsis-App sowie der Podcast „Aftershock – still aLIVE“.
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Quellen
· Team Stop Sepsis e.V., Blogbeitrag „Sepsis und Pflege: Warum Aufmerksamkeit Leben retten kann“ (Mai 2026)
· Team Stop Sepsis e.V., Factsheet „Sepsis – Killerin #1“ (Stand: Mai 2024)
· RKI (2023): Sepsis-Sterbezahlen
· Aviation Safety Network (ASN), 10-Jahres-Durchschnitt 2014-2024: Flugzeugabstürze in Deutschland
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